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Auf
den Spuren der Malatesta, zwischen Land und Stadt
Nach den Ursprüngen der Malatesta muß
man nicht weit entfernt suchen - weder in bezug auf Raum, noch auf
Zeit - auch wenn das Gegenteil behauptet wird in den Legenden, die
von den gelehrten Hoflingen der Malatesta erfunden und verbreitet
wurden. In der Tat sind die ersten Dokumente, die die Malatesta
erwähnen, nicht älter als aus dem 12.Jahrhundert; sie
beziehen sich auf die Gebietsbesitze in der südlichen Romagna
und weisen Spuren von offenen Konflikten mit der Gemeinde Rimini
auf. Im großen und ganzen mußte die malatestianische
Familie ursprünglich eine Großgrundbesitzerfamilie gewesen
sein, die das mittlerere Marecchiatal beherrschte und die Straßen
kontrollierte, die von Rimini ins Hinterland führten und sich
dabei auf den Besitz zweier gut ausgestatteter Ortschaften stützte:
Pennabilli und Verucchio, die sich heute noch des
Ruhmes erfreuen, diese Familie gegründet zu haben. Wahrscheinhich
war dem Glück der Malatesta weder das Vertrauen und der Schutz
der Erzbischöfe von Ravenna fremd, die in der Romagna und den
Marken zahlreiche Grundbesitze hatten, noch die Freundschaft, Vertrautheit
und Verwandtschaft mit den wichtigsten romagnolischen Familien.
Am Anfang aber war eine alte Verwandtschaft mit der bekanntesten
und mächtigsten feudalen Familie der Gegend:
nämlich der Carpegna Familie, auschlaggebend. Von den Carpegna
scheinen fast alle wichtigen Familien der feltrischen und romagnolischen
Berge abzustammen.

Auf jeden Fall muß der Druck der Malatesta auf Rimini, mithilfe
der Kontrolle des Gebiets und der Straßen und somit auch der
landwirtschaftlichen Produktion und des Handels, auf einmal so stark
geworden sein, daß er die Wirtschaft der Stadt stark gefährdete.
Dies wurde so extrem, daß die Stadt gegen Ende des 12. Jahrhunderts
zum offenen Krieg gezwungen war, der im Jahre 1197 beendet wurde
durch einen Akt der Wiedergutmachung seitens Giovanni de Malatesta
und seinem Neffen Malatesta Minore, sowie zu einer Serie von Handlungen,
die die Interessen der Malatesta an das Schicksal der Stadt band.
Die Malatesta wurden schließlich zu Bürgern der Stadt
ernannt; man schrieb ihnen einen Sitz im Stadtrat zu (1206), man
lud sie ein, ständig in der Stadt zu wohnen, man gab ihnen
Kredite zur Erbauung von Häusem und man erließ ihnen
die Steuern. Vom zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts an erscheinen
die Malatesta als eminente Persönlichkeiten der Stadt, sie
repräsentieren die Stadt in offiziellen Tätigkeiten und
garantieren für sie, sie gehorchen der “ghibellianischen”
Politik, d.h. der imperialistischen Richtung. Malatesta della Penna,
der 1228 Bürgermeister von Pistoia gewesen war, wird sogar
Bürgermeister von Rimini von 1239 bis 1247. Der Weg zur absoluten
Machtausübung auf die Stadt ist frei. Im Laufe weniger Jahrzehnte
nehmen die Malatesta alle bürgerlichen und religiösen
Ämter in Anspruch und entmächtigen nach und nach die städtischen
Organe, ohne sie jedoch abzuschaffen, indem sie jeden bekämpfen,
verjagen und töten, der ihre Vorherrschaft bedroht.

Bei ihrer Ankunft in der Stadt konnten die Malatesta sich noch
nicht einmal mit den traditionellen noblen Familien Riminis vergleichen,
was Alter und Adeligkeit betrifft; Familien wie z.B. die Ornodei,
die Gambacerri und die Parcitadi. Es handelte sich bei den Malatesta
um “neue, grobe Leute”, die jedoch auf ungeheuren Reichtum
und wichtige Unterstützung zählen konnten, die sie durch
eine scharfsinnige Heiratspolitik und umsichtige politische Allianzen
erreicht hatten. Sie konnten sich außerdem auf die Kontrolle
des Gebiets und auf die ausgeübte Macht verlassen, ohne moralische
Bedenken zu haben und auf absolut skrupellose Weise. Aber, sobald
sie die Macht an sich gerissen hatten, versuchten sie, adelig zu
werden, indem sie sich älteste Ursprünge zuschrieben.
Daher ist es möglich, legendäre Berichte zu finden, in
denen der Ursprung des Geschlechts auf den großen Patriarchen
Noah zurückgeht, oder auf Tarcone, einen mysthischen troianischen
Helden, der ein Cousin von Hektor und Eneas ist, oder auf Ottone
III., Imperator des römischen Reichs, oder auf Scipio, “der
Afrikaner” genannt. Am Mythos des letzteren fand besonders
Sigismondo Pandolfo Malatesta Gefallen, der Berühmteste der
Malatesta, tapferer Feldherr und Beschützer der Literaten und
Künstler, Stadtherr von Rimini von 1432 bis 1468.

Tourenauszug
aus : "Malatestianische Besichtigungstouren in Rimini"
- Piergiorgio Pasini - eine Produktion der Provinz von Rimini.
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