Cattolica > Touren > Malatestianische
Besichtigungstouren in Rimini
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Idealportraits von Malatesta da Verrucchio
und seinem Sohn Pandolfo I. (19. Jahrhundert)
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Damen
und Ritter
Es scheint, daß Kaiser Friedrich II. von Schwaben
- in Rimini von 1220 bis 1226- Malatesta della Penna zum Ritter
ernannt hat, dessen Sohn wiederum, Malatesta da Verucchio, auch
“Hundertjähriger” genannt aufgrund seines langen
Lebens (1212-1312), die Basis für eine reale und offizielle
Macht über die Stadt und ihr gesamtes Territorium schaffte:
zunächst heiratete er Concordia dei Pandoffini (Tochter des
kaiserlichen Vikars Arrighetto oder Enrichetto), die eine reiche
Mitgift von Besitztümern in der südlichen Romagna besaß
und verließ, sofort nach der Niederlage von Friedrich II.
in Parma (1248), die kaiserliche Partei, um zum Papstum überzuwechseln;
ein Seitenwechsel, der später durch eine neue Heirat unterstrichen
wurde; diesmal mit der reichen Enkelin des Leiters und päpstlichen
Legats der Marken und des Herzogtums von Spoleto. Die Tradition
der klerikalen Politik, die die Malatesta und Rimini charakterisiert,
beginnt mit ihm, Malatesta da Verucchio, und mit ihm scheint auch
eine Tradition von wildem Ehebruch und grausamen Verbrechen anzufangen,
die für viele Jahrzehnte in einem Gesamtbild von Konflikten
zwischen Papstum und Imperum und von wirren lokalen Rivalitäten
den Kampf um die Vergrößerung oder Verteidigung der Macht
der Familie zeichnet.

Die Situation von Rimini und den Malatesta am Anfang des 14. Jahrhunderts
wird von Dante sehr treffend in einer berühmten Terzine beschrieben:
“E'lMastin vecchio e 'linuovo da Verucchio, che fecer di Montagna
il malgoverno, là dove soglion fan d'identi succhio“
(lnferno,)O(VII, 40-57). Wie allgemein bekannt, ist mit dem “alten
Mastin” Malatesta della Penna und mit dem “neuen Mastin”,
sein Sohn Malatesta da Verucchio gemeint, und “Montagna”
steht für den alten Parcitadi, aus ältestem Riminiser
Adel, Oberhaupt der lokalen Gibelliner, der gefangen genommen und
1295 hingerichtet wurde. Malatesta da Verucchio wird Malatestino
dall’Occhio (vom Auge) genannt, welcher halb blind ist; Dante
erinnert ihn als “den Betrüger, der auf einem Auge sieht”
und bezeichnet ihn als ”grausamen Tyrannen”, der Guido
del Cassero und Agnolello da Carignano, zwei Prominente aus Fano,
getötet hat (Inferno, XXVIII, 76-90). Dieses Verbrechen ebnete
den Weg zum malatestianischen Besitz von Fano und einem Großteil
der Marken.

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Die mit so großer Berechnung und Grausamkeit
ausgeübte Macht mußte einfach eine unbegrenzte Serie
von Rache- und Vergeltungsakten hervorrufen; Haß und Verbrechen,
Angst und Reue machten das Leben der verschiedenen Mitglieder der
Familie für viele Jahrzehnte unsicher und schwierig. Es reichten
sicherlich nicht die ruhmreichen militärischen Siege, noch
der Prunk der Paraden und Wettkämpfe oder die Fülle der
Bankette, um die Isolierung zu überwinden und Unruhe und Verdachte
zwischen den verschiedenen Zweigen und sogar zwischen den verschiedenen
Mitgliedern des Geschlechts, sowie unter den Aliierten zu verstreuen.

Das Leben der malatestianischen Familienmitglieder war ganz und
gar der Politik unterworfen; die einzige “ragion di stato”
bestimmte daher auch die Eheschließungen (von denen Allianzen
und Reichtums- sowie Machterweiterungen abhingen), die häufig
natürlich fehl schlugen. Für die Manner der Familie war
dies kein Problem: die Untreue wurde von ihnen fast als Regel betrachtet;
die Geliebten - mehr oder weniger offiziell wurden respektiert und
organisierten sich in einem eigenen Hofe, während die “Bastarde”
als potenzieller Reichtum der Familie angesehen und oft legitimiert
wurden (z.B. Roberto, Sigismondo und Domenico Malatesta waren uneheliche
Söhne von Pandolfo III.). Die Angelegenheit stellte sich für
die Frauen der Famllie jedoch ganz anders dar. Alle erinnern sich
sicher an den Fall der Francesca.
Es ist wiedermals Dante, und nur Dante, der von der Liebe zwischen
Schwager und Schwägerin spricht:
Paolo ‘il bello” (der Schöne) und Francesca da
Polenta mit ihrem tragischen Epilog durch die Hand des betrogenen
Ehemanns, Gianciotto (Giovanni “Ciotto” = hüftlahm),
im 5. Gesang des Inferno. Gianciotto und Paolo waren Brüder
und Söhne des hundertjährigen Malatesta, den Dante “mastin
vecchio” (alter Mastin) genannt hatte. Die Heirat zwischen
Gianciotto und Francesca war Teil eines vorbestimmten malatestianischen
Planes, der die Herrschaft der Familie in der Romagna verstärken
sollte. Die Tragödie, wenn sie sich wirklich zugetragen hat,
läßt sich zwischen 1283 und 1284 in Rimini einordnen,
in den Häusern der Malatesta: um den Ort des Ehebetruges und
des Verbrechens wetteifern jedoch Rimini, Pesaro, Gradara und Santarcangelo.
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Paolo und Francesca, von Giangiotto
überrascht, Gemälde von Clemente Alberti (1828),
ausgestellt im Stadtmuseum |
Der sentimentale Ausrutscher von Francesca da Rimini war nicht
der einzige seiner Art unter den malatestianischen Frauen, die sich
in so einigen Fällen ribellisch gegenüber den von der
Familienpolitik vorbestimmten Verhaltensweisen erwiesen: man denke
dabei z.B. an den berühmten Fall von Parisina Malatesta, dessen
Ehemann sie 1425 in Ferrara enthaupten ließ, weil sie die
Geliebte ihres Stiefsohnes Ugo war oder z.B. auch an die erste Frau
von Andrea Malatesta, Rengarda Alidosi, die wegen ihrer Untreue
verstoßen und 1401 von ihren Brüdern getötet wurde.
Wenn man weiter zurückblickt, stößt man auch auf
Costanza, die Tochter von Malatesta Ungaro, die der Schamlosigkeit
und Unsittlichkeit angeklagt wurde und die ihr Onkel Galeotto im
Jahre 1378 hinrichten ließ. Jedoch lassen sich diesen “verderbten’
Frauenfiguren aus der Familiengeschichte vielen anderen guten und
mutigen Frauen gegenüberstellen: wie z.B. Polentesia da Polenta,
Ehefrau von Malatestino Novello, die 1329 ihren Mann aus einer Verschwörung
von Verwandten rettete; wie auch Gentile Malatesta, Witwe von Galeazzo
Manfredi, die für ihre Söhne über Faenza regierte
und es 1424 im Kampf gegen die Florentiner verteidigte; wie die
weise Elisabetta Gonzaga, Ehefrau von Carlo Malatesta, die ihre
Neffen Roberto, Sigismondo und Domenico (Malatesta Novello) großzug;
oder wie die Braut des letzteren, die süße und fromme
Violante da Montefeltro; oder auch wie die schöne Isotta degli
Atti, Geliebte und später Ehefrau von Sigismondo, die einen
sehr feinen Hof führte; oder schließlich wie die wohltätige
Annalena Malatesta, die nach dem gewaltsamen Tod ihres Ehemannes
Baldaccio d’Anghiari (1441) ihr Vermögen den Armen zur
Verfügung stellte und ihr Haus in Florenz als Herberge für
alle hilfebedürftigen Frauen öffnete.

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Tourenauszug
aus : "Malatestianische Besichtigungstouren in Rimini"
- Piergiorgio Pasini - eine Produktion der Provinz von Rimini.
Dem Web angepasst von Feriencattolica.info |
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