Cattolica > Touren >Die Republik San Marino
VIELE GUTE GRÜNDE SPRECHEN FÜR einen Besuch in
San Marino, wie Millionen ihn alljährlich der ältesten
Republik Europas abstatten. Sie haben aus einem der kleinsten
Staaten der Erde das Land gemacht, das im Verhältnis
zu seiner Bevölkerung die meisten auswärtigen
Besucher zählt. Millionen kommen nach San Marino -
wegen der enthusiatischen Erzählungen von Freunden,
die schon einmal dort waren, wegen der unglaublichen Anzahl
an bunten Geschäften, wo es (fast) alles günstig
zu kaufen gibt, wegen der engen Gassen und der charakteristischen,
hoch aufragenden Türme, wegen des atemberaubenden Rundblicks
von dieser natürlichen Felsterrasse hoch über
der Adria, und weil das überschreiten einer zwar diskret
markierten, aber ohne Paß- oder Zollkontrolle passierbaren
Grenze den Wunsch nach einer Reise in ein anderes Land für
jedermann leicht erfüllbar macht.
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San Marino
Den Italienern bietet San Marino
Gelegenheit zu einer bequemen, geruhsamen Auslandsreise, ohne ungünstigen
Geldwechsel und ohne leidige Sprachprobleme, zum Kennenlernen eines,fremden
Landes "im eigenen Vorgarten" mit dem ungewohnten Anblick
antiker Gebäude, deren offenstehende Türen heute Souvenirs
bergen und wo sich der letzte Schrei infacto Kitsch mit althergebrachter
Nüchternheit, dem Wunsch nach Geselligkeit und einer traditionsgemäß
herzlichen Gastfreundschaft vermischt. Doch dies sind nur einige
der Gründe, die für einen Besuch in San Marino sprechen,
und es sind die einfachsten,bekanntesten Motive -jene, die man weitersagt
und von denen die Zeitschriften berichten. Worin bestehen die anderen,
tieferen Gründe?
Sie sind nicht so Augenfällg, ja in gewissem Sinne sind sie
sogar geheim. Jeder muß sie persönlich ergründen,
denn sie entspringen dem Gefühl und dem Nachdenken. Der Tradition
zufolge wurde die Republik San Marino im Jahr 301 n. Chr. gegründet.
Der inzwischen also fast 1700 Jahre alte Staat ist klein, sein Gebiet
teilweise hügelig und von der Natur durchaus nicht verwöhnt,
seine wenigen Einwohner waren im Laufe der Geschichte nie sehr begütert.
Aber San Marino hat eigene Gesetze und besondere, eigentümliche
Institutionen, welche die demokratische Existenz dieses Landes regeln
und es am internationalen Leben teilhaben lassen. Nichts ist in
einer Zeit epochaler Umwälzungen und wachsender Unsicherheit
einzigartiger als ein Kleinstaat, der sich zu behaupten weiß
und der gesund und,frei gegen die Vormacht und Übergriffe der
Starken und Mächtigen ankämpft, Von seinen hohen Türmen
oder von dem großen Platz vor dem Regierungsgebäude,
verzaubert von den anmutigen Hügeln des Montefeltro und der
azurblauen Adria, atmet man hier die lange Geschichte eines Gemeinwesens,
das sich trotz seiner engen Grenzen und der geringen Zahl seiner
Bürger stark fühlt - stark, denn es birgt eine Botschaft
an alle, die Gewißheiten suchen und die in einem schwierigen
Moment Vertrauen schöpfen möchten: Macht und Gewalt bedeuten
nicht unbedingt Vorherrschaft. Krieg ist nie unvermeidlich; der
Friede hat immer eine Chance.
Das Einvernehmen zwischen wenigen (oder vielen) Bürgern gründet
sich auf gute Gesetze und auf deren allgemeine Einhaltung. Diese
Botschaft rufen dem Besucher die Mauern von San Marino und seiner
Gebäude zu; sie ist im Paradeschritt seiner Garde, im antiken
und doch immer wieder neuen Staatszeremoniell, in den althergebrachten
Darbietungen der Armbrustschützen und Fahnenschwinger enthalten.
Man muß ihr nur zu lauschen wissen.
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